|
Glas – ein Werkstoff der rund um Lauscha seit Jahrhunderten verarbeitet wird. Glas ist jedoch keine Erfindung der Menschen sondern eher eine Entdeckung. Und diese wurde bereits in der Frühzeit gemacht: in der Jungsteinzeit fanden die Menschen bereits heraus, dass natürlich entstandenes Glas wie z.B. der Obsidian, ein Gesteinsglas vulkanischen Ursprungs, sich hervorragend für Pfeil- und Speerspitzen aber auch als Schmuckstein eignete.
Vor etwa 4.000 Jahren entdeckten dann die alten Ägypter – wahrscheinlich auch mehr zufällig, wie man Glas künstlich herstellen kann. In der Tontafelbibliothek des assyrischen Königs Ashurbanipal findet sich das älteste überlieferte Rezept zur Herstellung von Glas: "Nimm sechzig Teile Sand, einhundertachtzig Teile Asche aus Meerespflanzen, fünf Teile Kreide - und du erhältst Glas."
Anfänge in Ägypten Die Ägypter vermochten ihr Glas bereits zu formen – allerdings nur durch Gießen in Formen mit einem Kern aus tonhaltigem Sand. Dadurch wurden die Oberflächen meist rau und undurchsichtig. Aber das neue Produkt gefiel – und so verbreitete sich die Kunst des Glasmachens im Laufe der Jahrhunderte im gesamten Mittelmeerraum.
Eine echte Revolution erfuhr das Glasmachen etwa 70 vor Christus. Das Römische Reich hatte unter anderem auch Syrien erobert und den Syrischen Handwerkern verdankt man die bedeutendste Entwicklung im Glasmacherhandwerk: die Glasmacherpfeife. Dieses Instrument, ein etwa 1,50 Meter langes Eisenrohr, ist auch heute noch das wichtigste Werkzeug des Glasmachers. Mit ihm wurde es möglich, das flüssige Glas zu einem Hohlkörper aufzublasen.
Durch das Glasblasen ließen sich die Produkte nun in immer gleiche Formen bringen – die Serienproduktion war erfunden. Mit der Ausweitung des Römischen Imperiums verbreitete sich die Glasmacherkunst in ganz Europa - von Ägypten bis nach Britannien.
Glas nördlich der Alpen Bevor unsere Vorfahren der Kultur Roms begegneten, war ihnen das harte, doch spröde Material unbekannt. Die Germanen waren aber von den mitgebrachten Glasperlen so fasziniert, dass sie den Stoff mit ihrem Wort für Bernstein, glasa (glänzend, schimmernd), benannten.
Aber erst ab dem 12. Jahrhundert entstand nördlich der Alpen ebenfalls die Glasproduktion. Bedingt durch immer aufwändigere Kirchenbauten stieg der Bedarf an Glas erheblich an. Viele Glasmacher ließen sich in den Wäldern der Mittelgebirge nieder und gründeten hier so genannte Waldglashütten. So entstanden auch in der Region um Lauscha die ersten Siedlungen von Glasmachern (siehe auch Geschichte der Farbglashütte ).
Während bis ins 15. Jahrhundert die Produktion der Waldglashütten auf Gebrauchsglas aller Art ausgerichtet war, wurde Glas ab dem 16. Jahrhundert dann auch für Wissenschaft und Technik immer mehr von Bedeutung. Erfindungen wie z.B. das Thermometer, oder das Mikroskop wären ohne Glas undenkbar. In ganz Europa suchten Wissenschaftler und Hobbyforscher - so auch Johann Wolfgang von Goethe - nach neuen Fertigungsverfahren. Die Industrielle Revolution Mitte des 19. Jahrhunderts machte aus dem Handwerk dann endgültig einen Industriezweig. Heute ist Glas aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Ob nun als Gebrauchtsglas für Gläser, Flaschen, Schalen und Vasen, als Fensterscheibe, Dekorationsobjekt oder als Hightech-Produkt in Optik, Datenübertragung oder Forschung - ohne Glas geht heute nichts mehr.
|